Mittwoch, 12. November 2008

Eine Schale filzen























Schalen oder Hüte sehen gefilzt sehr kompliziert aus, obwohl es eigentlich ganz einfach ist.
Ihr braucht nur


  • 1 Luftballon

  • ca. 400 gr. Filzwolle in verschiedenen Farben

  • Warme Seifenlauge in einer Sprühflasche

  • 1 alte Strumpfhose

  • Noppenfolie


Meine Wunschschale sollte aus grober weisser Wolle sein, glücklicherweise habe ich auf einem Martinsmarkt ein Schurwollvlies bekommen, dass nicht superfein gekämmt war. Das hat den Vorteil, dass man es als Fläche nutzen kann - warum das wichtig ist erfahrt Ihr weiter unten....

Als erstes den Luftballon aufblasen. Dann mit Seifenlauge anfeuchten, und Stränge von Wolle um den Ballon wickeln. Das Innere ist nachher das Innere der Schale.
Hübsche Kombinationen sind:



  • innen Lila, außen Schwarz

  • innen bunt geringelt, aussen uni

  • innen uni hell, aussen Tupfen oder Ringel

Die gewickelte Wolle gut anfeuchten und leicht anreiben, so dass die Luft aus den Fasern verschwindet und sie gut ankleben.
Jetzt kommt die eigentliche Lage, die die Schale stabilisiert. Ich habe hier, wie bereits beschrieben, Wollvlies genommen. Das habe ich in ca. DinA5-große Stücke gerissen und unter Einsatz von Seifenwasser auf den Ballon geklebt. Hat was von Pappmache!


Diese Stücke werden mit Seife eingerieben. Dazu die Hände gut anfeuchten, dann mit Seife dick einschmieren, und damit über die Wolle streichen. Wichtig ist, dass es keine Falten gibt. Das wiederholt man so lange, bis der Ballon ca. 400 gr. wiegt. Das Gewicht zeigt, dass die Schale fest genug ist, um in Form zu bleiben. Dünnere Schalen lappen um und halten die Form nicht. Dickere sehen toll aus, sind aber schwer zu verfilzen. Jetzt kommt nämlich der Trick mit der Waschmaschine.
Man streicht solange Seife und warmes Wasser auf den umwollten Ballon, bis die Wolle zu einer durchgängigen Schicht vorgefilzt ist. Das daaaaauert (bei meinem Ballon ca. 40 min.) - ist aber wichtig, sonst erzeugt Ihr ein Faltengebilde... keine Schale.
Jetzt wird das ganze vorsichtig in eine Strumpfhose gepackt.

Ich nehm dazu Strumpfhosen, die sowieso eine Laufmasche haben. Einfach den Ballon vorsichtig in das Höschenteil packen, die Beine mehrfach drumherum wickeln und ordentlich verknoten. Dann in die Waschmaschine (ich wasch da die Putz-Handtücher mit), und bei 60 Grad waschen.



Nach dem waschen einfach oben vorsichtig aufschneiden, den Rand kann man dann in Zacken oder Wellen schneiden (ich hab ihn einfach umgeklappt), und bei Bedarf nochmal vorsichtig nachfilzen. Fertig ist eine Schale (die nach Meinung meiner Kinder auch ein toller Hut ist)



Varianten:


  • einen kleineren Ballon nehmen, dicker einfilzen, und den Deckel nachher tatsächlich als Deckel verwenden - ist eine super nette Schmuckdose für Kinder

  • einen länglichen Ballon nehmen - ergibt dann eine längliche Umhüllung für ein Musikinstrument, eine hübsche Schlampertasche (aufschneiden und einen Reißverschluss einnähen) oder auch eine Vase! Man kann hiervon dann Streifen schneiden, die sehen als Serviettenringe sehr nett aus

  • Man kann die fertige Schale auch noch trocken nachnadeln, dann kann man Perlen o.ä. aufbringen

Dienstag, 11. November 2008

Eine Blume filzen

Filzblüten am Stengel - kenne ich nicht nur als Brosche, sondern auch als Kinderzimmer-Deko. Die gibts ja von H*b* für über 100 Euro zu kaufen, soviel Geld wollte ich dann doch nicht ausgeben (und ausserdem ist Mama ja ehrgeizig, gell?)

Hier also eine einfach Anleitung für Filzblüten:

  • Runde Form ausschneiden, ich bevorzuge hier Noppenfolie. Mein Kreis ist ca. 10 cm im Durchmesser, da die fertige Blüte nicht zu gross sein sollte
  • Festlegen, welche Farben die Blüte haben soll. Die meisten Blüten sind innen heller als aussen. Meine Blüte soll ja für ein Mädchenzimmer sein, ist also innen rosa (was sonst), aussen dunkelrot
  • Die Wolle auf die Schablone in dünnen Fäden legen. Die Fasern dürfen ruhig kreuz und quer liegen. Meine Blüte startet mit einem hellen rosa.
  • Von der Mitte aus dunklere Fasern auflegen. Es sieht schön aus, wenn die Faserbüschel vorne leicht verzwierbelt sind, das gezwierbelte Ende kommt nach aussen
  • Wenn das jetzt gut aussieht, einen dünnen Stoff auflegen (ich nehm immer Gartenvlies, das schmeisse ich anschließend einfach weg, gibts an der Rolle für ca. 10 Euro), und warmes Seifenwasser aufbringen. Alles schön sanft reiben, damit die Fasern sich leicht verbinden.
  • Umdrehen, Schablone entfernen und nun von der anderen Seite Wolle auflegen. Ich hab hier einen dunkleren Rotton und einen Burgunderton gewählt.

  • Damit es echter aussieht, habe ich noch grüne Fasern aufgelegt. Nicht zu sehr vorfilzen, sonst haftet der Stengel nicht mehr (den Fehler habe ich auch schon gemacht)
  • Jetzt kommt der Stengel dran. Einfach einen ca. Handlangen Strang grüne Wolle in den unteren 2/3 mit Seifenwasser anfeuchten, den Strang ca. 20 x durch die Hände gleiten lassen, und dann nur die unteren 2/3 verfilzen. Das obere Drittel muss trocken bleiben, das wird der Kelch der Blüte.


  • Jetzt den trockenen Teil des Stängels in 3-4 Stränge aufteilen, diese vorne leicht anzwierbeln und auf die Unterseite der Blüte legen. Alles sanft anfilzen

  • Jetzt heftiger reiben. Ich lege dafür immer ein Reststück Noppenfolie auf, reibe liebevoll darauf herum, bis man merkt, dass sich keine Faser mehr löst. Wichtig ist vor allem, dass der Ansatz vom Stengel gut angefilzt wird.
  • Ausdrücken, neues heißes Wasser aufträufeln und jetzt beginnt das Formen. Es soll ja keine Sonnenblume, sondern eher eine Calla werden. Die Blüte am Ansatz sanft zusammenrollen, Blütenblätter dabei immer wieder ausziehen. Zwischen den Fingern rollen, bis die Grundform gefällt.


image


  • Jetzt fängt das Filzen an. Bei so kleinen Teilen mache ich das am liebsten mit einer Sushi-Matte. Die Blume am Anfang ganz vorsichtig quer einlegen, die Blütte mit den Fingern zusammenrollen, und dann ca. 10 x rollen. Aufmachen, Blume längs einlegen, 10 x rollen.... und so weiter. Insgesamt ca. 5 x von jeder Seite je 10-15 x rollen, dabei immer fester zupacken. Wichtig ist, zwischendurch die Blüte immer wieder aufzurollen, die Form zu kontrollieren und dann wieder zuzurollen. Es kann nämlich sonst passieren, dass die Blütte nachher nur noch ein bunter Stengel ist...
  • Mit kochendem Wasser übergiessen, und nochmal weiter filzen. Solange, bis die Blume fest genug ist, die Größe stimmt und der Filz fest ist. Dann mit kaltem Wasser und Essig ausspülen, die Ränder umbiegen und trocknen lassen.

Diese Blüte ist ziemlich dick, die war ein Prototyp für eine Girlande, die Blüte war bewußt etwas dicker. Nach dem gleichen Prinzip kann man auch feinere, dünnere Blüten machen.



















Einen Ring filzen

Einen etwa handlangen Strang Filzwolle mit heißem Seifenwasser anfeuchten, und um Zeige-, Ring-, und Mittelfinger wickeln.


Dann mit gut einseifen (ich geh einfach mit der Wolle an der Hand über die Seife drüber).

Mit der Hand über die Wolle streichen, bis die Enden gut verbunden sind. Das ist eine Bewegung, als ob man die Hände sanft aneinander reibt. Dazwischen immer wieder nachseifen, bei Bedarf anfeuchten. Die Wolle darf nie zu nass werden, sonst klappts nicht.

Jetzt geht die Walkerei los.


Auf einer rauhen Unterlage (ich nehm immer meine Sushi-Matte) auf und ab, und hin und her rollen. Der Ring wird dabei spürbar kleiner. Erst passen noch alle drei Finger rein, dann wird er immer enger.

Wenn nur noch ein Finger reinpasst, müsst Ihr die Form festlegen. Soll es ein abgeflachter Ring werden, d.h. die Bandform ist eher oval, dann müsst Ihr den Ring jetzt über den Finger ziehen, und wie ein Rad immer wieder über die Matte ziehen. Er schrumpft dabei weiter, wird aber immer flacher. Soll er richtig rund bleiben (ist aber zum Tragen nicht so bequem), dann weiter auf und ab rollen, immer wieder drehen, bis er die richtige Größe hat. Das Ganze dauert insgesamt ca. 20 min. Wenn Ihr die Sache etwas beschleunigen wollt, in der 2-Finger-Phase den Ring mit kochendem Wasser begießen und fleißig weiter walken.

Der fertige Ring sieht dann so aus:

Meine Tochter wollte unbedingt einen roten Ring - den hab ich mit einer Filzspirale verschönt. Da sie eine Nickel-Allergie hat, ist das eine schöne Alternative zu Kinderschmuck. Den Ring kann man auch mit kleinen Perlen besticken, sieht auch sehr hübsch aus.

Eine Filzscheibe filzen

Für Profi-Filzer wahrscheinlich eine Selbstverständlichkeit, ich habe mich am Anfang ziemlich doof angestellt. Daher hier ein paar Tipps und Tricks.
Es geht um Filzscheiben/Spiralen, die man oft als Ketten oder Deko auf Taschen sieht.
Wie werden die gemacht?
Wer schon einmal Sushi gemacht hat, kennt den Trick:
Eine Matte (idealerweise Sushi-Matte) mit einem dünnen Vlies belegen. Ich nehm das Gartenvlies, mit dem ich die Bäume im Winter einpacke, das kostet quasi nix und filzt nicht an!
Die später äußerste Lage Wolle auflegen, je nachdem wie dick die "Perle" nachher werden soll, nur 1 dünne Lage in längs- und eine zweite Lage in Querrichtung. Für normale Perlen nehme ich eine Fläche von ca. 20 cm x 20 cm.
Am Rand vorne ca. 0,5 cm leer lassen.
Jetzt die zweite Farbe auflegen, danach die dritte und vierte. Für Punkte, wie ihr sie in den Perlen unten seht, wird die letzte Lage Filz nur als Strang in die Mitte gelegt (wie beim Sushi das Gemüse). Das Ganze dann mit der Sprühflasche mit Seifenlauge besprühen, nur anfeuchten, nicht durchnässen.
Mit den Händen vorsichtig andrücken, hier hilft ein zweites Stück Vlies. Umdrehen, und wieder sanft massieren. Wenn der Filz merklich eine Verbindung eingegangen ist, beginnt das Walken, d.h. die Rolle wird in die Matte eingerollt (vorher das Vlies entfernen), und erst sanft, dann immer stärker gerollt. Insgesamt ca. 100 x rollen, bis die Wurst in der Mitte fest ist, d.h. sich auch sehr gleichmäßig rollen läßt.
Wenn sie fertig ist, kippe ich kochendes Wasser drüber, und packe sie in den Trockner, der bei 2 Kindern eh täglich läuft. Klasse, wenn Jeans mit drin sind!
Die Rolle gut trocknen lassen (dauert trotz Trockner noch ca. 1 Tag), dann mit dem Cutter-Messer oder einer sehr scharfen Schneiderschere in dünne Perlen schneiden. Ideal sind 0,3- 0,5 cm. Anbügeln (ich sprüh dann fein Wäschestärke auf).
Jetzt kann man sie auf Draht, Faden o.ä. aufziehen und hat eine Kette!